1. Irgendwo in China.

    Irgendwo in China.

    Vor 3 Wochen  /  2 Anmerkungen

  2. Verlorene Freiheit

    Freiheit
    so unzuträglich
    für den Menschen.
    Zu viel Freiraum lassend
    weiß er nicht
    wohin
    mit dem Freisein.

    Statt zu handeln
    sich des gewonnenen Glückes erfreuend
    statt das Herz zu öffnen
    wählt er oft den einfachen Weg.
    Unterwirft sich gerne
    in seinem Tun
    und viel schlimmer noch
    auch in seinem Denken.

    Weil es einfacher ist
    tut er
    was verlangt wird
    passt sich an
    umgeht Konflikte
    stellt die eigene Meinungsbildung ein
    kurzum
    gibt die Kontrolle ab.
    Die Kontrolle über seine eigene Person.

    Weil es einfacher ist
    schwimmt er mit dem Strom der Masse
    sich einschränkend
    belügend.

    Sich vollkommen
    nach den Vorstellungen
    den Erwartungen
    der Gesellschaft richtend
    merkt er
    oder merkt nicht
    wie sehr er sich dabei
    von sich selbst entfernt
    wie sehr er sich
    verliert.

    Der Mensch.

    Vor 1 Monat  /  8 Anmerkungen

  3. Kirschblüten in der Abendsonne.

    Kirschblüten in der Abendsonne.

    Vor 1 Monat  /  5 Anmerkungen

  4. Dialog unter einem Kirschbaum

    Die ersten Sonnenstrahlen fielen durch rosarote Kirschblüten, als Sophie in den Garten zu ihrer Mutter lief. Es war wieder warm genug geworden, um die Wäsche im Freien aufzuhängen; und so tanzten auf der Wäscheleine zwischen dem Apfel- und dem Krischbaum die ersten Kleider im Wind. “Mama, Mama, wie alt bin ich?”, rief Sophie ganz aufgebracht. “Drei, mein Schatz.” “Drei..”, murmelte Sophie und zählte langsam an ihren Fingern die Zahl ab. “Eins.. zwei.. drei..” Doch ihre Neugierde war noch nicht befriedigt. Sie sah ihre Mutter mit großen Augen von unten herauf an und fragte: “Wie alt bist du?” “Ich bin dreißig”, antwortete die Mutter - um Sophies Reaktion wissend - mit einem Schmunzeln um die Mundwinkel. “Dreiiißig?” “Das sind deine zehn Finger drei Mal”, erklärte sie. Sophie sah auf ihre Hände, bildete eine Faust und öffnete sie langsam drei mal hintereinander. “Das ist viel!”, stellte sie fest, “Und der Papa, wie alt ist der?” “Der Papa ist siebenunddreißig. Drei mal die Hände öffnen und sieben Finger dazu.”, erklärte die Mutter und wandte sich wieder der Wäsche zu. Sophie lies sich unter dem Kirschbaum ins Gras fallen. “Das ist ja noch mehr.”, dachte sie. Nach einer Weile sah sie erneut zu ihrer Mutter auf, mit einem sorgenvollen Blick, wie ihn sonst nur Erwachsene tragen. “Also stirbt zuerst der Papa, dann du und dann ich. Und wie alt wird man überhaupt?” “Nein”, erwiderte ihre Mutter, “wann man stirbt, das ist ganz unterschiedlich.” Sie gab Sophie einen Kuss auf die Stirn, nahm ihren Wäschekorb und ging zurück ins Haus.

    Vor 1 Monat  /  2 Anmerkungen

  5. Gedachtes

    Als er neben ihr lag, die Decke fest um sich geschlagen und weit hochgezogen, um den Hals gelegt nur um sie dort von innen festzuhalten, sodass einzig und allein sein Kopf heraus schaute; der Kopf mit den dunklen, zerzausten Haaren und das Gesicht mit den sich-immer-verändernden Augen, mit dem nie-stillstehenden Blick. Als er da lag und sie lange ansah, da fragte sie ihn, ob er eigentlich wüsste, wie liebenswert er sei. Er verstand nicht - vielleicht wollte er auch nicht verstehen. Sie fragte ihn ein weiteres Mal, ob ihm klar wäre, welch liebenswerter Mensch er sei. “Liebenswert, mit l, so wie lachen und leben”, flüsterte sie. “Mit l, so wie Lavendel und Limonade. Wie liegen, lesen oder lauschen. Leise. Mit l, so wie Laub und Luft, so wie Licht! Irgendwie leicht. Mit l, so wie lassen, oder eben lieben.” Er wusste es nicht. Und sie sagte es nicht.

    Vor 1 Monat  /  3 Anmerkungen

  6. Bruch

    Im Regen stehend,
    das Wasser fühlend,
    durchtränkt es
    Kleidung und Haar,
    überflutet
    die Sicht.
    Kalt und warm.
    Es ist ganz gleich.

    Vor 1 Monat  /  4 Anmerkungen

  7. photo

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    Vor 1 Monat  /  4 Anmerkungen

  8. Sei es, wie es wolle. Sei es, wie es solle.

    I wonder why birds choose to stay in the same place when they can fly anywhere on the earth. Then I ask myself the same question. (Harun Yahya)

    Es ist gänzlich egal, wohin man gehen würde, man kann dies ohnehin nur räumlich tun. Die Erinnerung - das Geschehene und Erlebte, das Gefühlte - bleibt. Sie hat sich fest in unserem Kopf und unserer Brust verankert, und ob wir dies nun für gut oder für schlecht befinden tut im Endeffekt nichts zur Sache, denn es lässt sich nicht ändern. Man kann es weder ändern noch sich davon trennen; es gilt sie anzunehmen, zu akzeptieren und mit ihr zu leben.

    Und trotzdem bleibt die Sehnsucht alles hinter sich zu lassen, Adieu zu sagen und fortzugehen vom Hier und Jetzt, vom vermeintlich Schlechten um das vermeintlich Gute, das Glück, zu finden. Die Sehnsucht, das Leben einmal auf Reset zu setzen, neu anzufangen und alles besser zu machen. Nur um irgendwann einzusehen, dass das Leben kein Computer und Zurücksetzen Wunschdenken und sinnlos zugleich ist.

    Doch vielleicht muss man erst die totale Stille und Abgeschiedenheit erfahren und fühlen, um zu wissen, wo man unlängst den Anker über Bord geworfen hat. Vielleicht braucht es diese Zeit der Einsamkeit um zu erkennen, wo man hingehört. Vielleicht muss sich die Sehnsucht erst herausbilden. Vielleicht braucht es Zeit, bis wir dem Schicksal Glauben schenken und einsehen, dass wir ohnehin nicht steuern können, wohin das Los fällt und dass das Einzige, das von uns verlangt wird, eine bewusste Entscheidung ist.

    Denn sobald man auf sein Herz, vielmehr, auf seine Seele hört, muss man doch erkennen, dass die weite Welt vor Einsamkeit strotzt und auf Dauer nicht zum Glück führen kann. Man muss einsehen, dass auch im Schlechten Gutes liegt; dass wir nicht hier wären, wenn alles nach Plan verlaufen wäre und wie gut es ist, dass wir genau jetzt genau hier sind. Man muss doch erkennen, dass wahres Glück nur dort zu finden ist, wo Herz und Seele verankert sind.

    Warum sollten wir die Welt wollen, die außer stummer Anonymität nichts zurückgeben kann? Warum erschaffen wir uns nicht unsere eigene Welt? Und regieren sie?

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  9. photo

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    Vor 1 Monat  /  5 Anmerkungen

  10. Lautlos

    Man hob ihren entblößten Körper
    legte ihn
    auf kaltes Metall.
    Eine schwarze Strähne fiel
    über ihr Gesicht
    als ihr Kopf auf ihre Schulter sank.
    Nägel, so rot
    wie ihre Lippen es einst gewesen waren.

    Die Klinge glitt behutsam
    die Bauchdecke hinauf
    und während sie ihren Kopf hob
    ihre Augen aufschlug
    erreichte sie nach nur fünfzehn Zentimetern
    oder zehn Sekunden
    das Brustbein.
    Die Wunde tat sich
    nur einen Daumen breit auf.

    Ihre Lippen öffneten sich
    bewegten sich -
    lautlos.
    Blut rann
    in kleinen Rinnsalen
    über weiße Haut.

    Man schnitt sie entzwei
    nahm ihr
    was schon längst nicht mehr vorhanden war.
    Nur das Rot ihrer Nägel war ihr geblieben.
    Es leuchtete kalt
    als sie ihre Augen schloss.

    Vor 1 Monat  /  2 Anmerkungen